Ein Mediator unterstützt die Konfliktparteien dabei, ihre Konflikte entsprechend ihrer Interessen, Bedürfnisse und Wertvorstellungen zu bereinigen und Lösungen zu finden. Dies wird auch in der Landwirtschaft immer beliebter.

Wie in so vielen anderen Lebens- und Arbeitssituationen strebt auch auf einem Bauernhof jeder Mensch nach Anerkennung, Wertschätzung, intakter partnerschaftlicher Beziehung, Sicherheit, materiellem Wohlstand, Selbstverwirklichung und friedvollem Miteinander. Fakt ist jedoch, dass das Miteinanderleben und -arbeiten nicht immer konfliktfrei ablaufen kann.

Und nun die gute Nachricht: Das Wohlbefinden kann jeder/jede selbst beeinflussen. Mediatoren sind dafür verantwortlich, wie das Ergebnis zustande kommt.

Gemeinsame Suche nach einvernehmlichen Lösungen im geschützten Rahmen der Mediation
Mediatoren arbeiten mit dem Auftrag, durch Strukturierung der Kommunikation, Herstellen von Transparenz und Fokussierung auf die Zukunft zum Ziel einer einvernehmlichen Lösung zu führen. Sie sind jedoch keine Richter, Schiedsrichter, Anwälte oder Therapeuten. Im geschützten Rahmen der Mediation reduzieren sie komplexe Situationen auf das Wesentliche, sortieren die Streitpunkte und bearbeiten sie der Reihe nach. Sie gehen dabei verständnisvoll und einfühlsam vor. Sie halten sich aus dem Konflikt heraus, denn ihre Verantwortung besteht darin, die Medianden im Gespräch zu unterstützen, damit sie ihre Interessen und Bedürfnisse erkennen und für die andere Seite so formulieren, dass sie nachvollziehbar sind, somit das gegenseitige Verständnis fördern und die Medianden letztendlich den Konflikt selbst bereinigen können.

Gleichberechtigte Verhandlungspartner
Die Medianden hingegen bearbeiten ihre eigenen Sachen im direkten Gespräch. Sie suchen gemeinsam eine Lösung, die ihren unterschiedlichen Sichtweisen Rechnung trägt und in der die Interessen und Bedürfnisse aller Beteiligten und der Betroffenen (z.B. der Kinder) berücksichtigt sind. Am Gesprächstisch sind sie gleichberechtigte Verhandlungspartner: Sie vertreten sich selbst, sind willens, einen Konsens zu finden, und entscheiden dann auch selbst. 

Mediation in der Landwirtschaft
Mediation bietet sich im landwirtschaftlichen Bereich bei Hofübergaben, Scheidungen, Erbrechtsangelegenheiten etc. an.  

Worin bestehen nun beispielsweise die Vorteile einer Mediation? 

  • Die Lösung ist ein selbst ausverhandelter und daher für die Beteiligten „stimmiger“ Interessenausgleich: Jeder bekommt das, was er konkret braucht.
  • Der Verhandlungszeitraum ist überschaubar, weil die Medianden den klar strukturierten und transparenten Kommunikationsverlauf und das Ergebnis selbst mitgestalten, somit die Kontrolle über den Ablauf behalten und auftauchende Risiken sofort und aktiv managen können.
  • Beziehungen werden geschützt (familiäre, elterliche, betriebliche, nachbarschaftliche etc.). Betriebsinterna gelangen nicht an die Öffentlichkeit.
  • Mediatoren unterliegen gem. § 18 ZivMediatG der Verschwiegenheit über Tatsachen, die ihnen im Rahmen der Mediation anvertraut oder sonst bekannt wurden, und dürfen vor Gericht nicht als Zeugen vernommen werden.
  • Ökonomische Folgekosten, verursacht durch nicht bereinigte Konflikte und durch zeit-und kostenintensive Gerichtsverfahren, gehören der Vergangenheit an. Die Kosten einer Mediation sind nicht vom Streitwert abhängig und daher kalkulierbar.
  • Personen, die sich aus wirtschaftlichen Gründen eine Mediation nicht leisten können, erhalten in familien- und kindschaftsrechtlichen Konfliktsituationen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen eine finanzielle Förderung vom BMAF gemäß den „Richtlinien zur Förderung von Mediation“.

Das war nur ein kurzes Streiflicht auf unterschiedliche Anwendungsbereiche der Mediation im landwirtschaftlichen Bereich. Die Aufzählung erhebt keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit. Die Beseitigung von Problemen und Altlasten führt zu einem konstruktiven Miteinander und damit zu einer verbesserten Lebensqualität.

Beitrag erschienen am 28.10. 2021 im Salzburger Bauer, Seite 53, verfasst von Dr. Margarete Cecon, Juristin, Lebens- und Sozialberaterin, eingetragene Mediatorin


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