Verfasst von Dr. Margarete Cecon MA

Medianden sind die Käufer einer Dienstleistung. Als Käufer erwartet man gute Ware für gutes Geld. Die Qualität der Ware wird als selbstverständlich vorausgesetzt, „Lieferbedingungen“ sollen geflissentlich eingehalten werden, sodass das Paket „Konfliktlösung“ wie vereinbart abgeholt werden kann…

Mediationsinteressenten zu erklären, wie Mediation „funktioniert“, erschöpft sich nur allzu oft in der Definition von Mediation, wie sie beispielsweise im Zivilrechts-mediationsgesetz (ZivMediatG 2004 BGBl 29/2003, dem Berufsrecht der MediatorInnen, in § 1 ZivMediatG normiert ist, ohne den Blick auf die Rolle und die Aufgaben der MediatorInnen zu fokussieren.

Doch wer will schon die Katze im Sack kaufen?

Der Schweizer Philosoph Josef Duss-von Werdt ist in seinem lesenswerten Buch „homo mediator – Geschichte und Menschenbild der Mediation“ u.a. diesen Fragen nachgegangen. Seine Antworten sind einprägend für einen Menschen, der als Mediator tätig ist, setzen sie doch dort an, wo MediatorInnen tätig sind – in ihrer „PRAXIS für Mediation“.

Das Wort PRAXIS kommt vom griech. Stammverb prato, und bedeutet intransitiv: sich verhalten, eine Haltung einnehmen, und transitiv : handeln, verhandeln

Die drei Anteile von PRAXIS sind:

a) PRAXIS als D e n k e n :

Konflikte „gehören“ denen, die sie haben. Sie alleine tragen  als „Eigentümer“ die Verantwortung für ihre Konflikte. Sie sind es, die die Lösungen verhandeln (müssen). Die Hoffnung, Verantwortlichkeit an die MediatorInnen delegieren zu können, wird in der Mediation immer ein Wunschdenken bleiben, denn Verantwortung für den Konflikt eines anderen zu übernehmen, “ist im  Preis nicht inbegriffen.“

b) PRAXIS als  H a l t u n g:

MediatorInnen halten sich aus dem Konflikt heraus. Ihre Verantwortung besteht darin, die Medianden im Gespräch zu unterstützen, damit sie den Konflikt selbst bereinigen können. Alle Beteiligten treffen sich auf Augenhöhe als gleichberechtigte und gleichwertige Verhandlungspartner. Sie sind alle gleich. Keiner ragt heraus oder hat Befugnisse oder Macht. MediatorInnen bevormunden die Medianden nicht, sondern nehmen die Bedürfnisse und Interessen, als auch Befürchtungen und Existenzängste der Medianden in Würde und Respekt vor den Menschen ernst.

Die Haltung wird geprägt durch Vertrauen der MediatorInnen in die Lösungskompetenz der Medianden (ohne voreiliges Vorpreschen mit Lösungsvorschlägen) und durch ihre  rechte Distanz  zu den Konfliktpartnern:

MediatorInnen sind nicht parteiisch („weder für den einen, noch für den anderen Konfliktpartner“, sondern allparteilich („sowohl für den einen, als auch für den anderen“) – ohne Entscheidungskompetenz.

Dabei ist der Blick aller stets nach vorne gerichtet, und nicht nach zurück, denn es ist die Zukunft zu gestalten und nicht Vergangenes zu bewältigen. Ziel ist es, für die Zukunft einen gangbaren Weg aus dem Konflikt/aus der Krise zu finden.

Der Inhalt der Mediationsgespräche ist vertraulich. Sie finden in einem geschützten Rahmen statt.  Die MediatorInnen sind gem. § 18 ZivMediatG zur Verschwiegenheit über die Tatsachen verpflichtet, die ihnen im Rahmen der Mediation anvertraut oder sonst bekannt wurden. Für die MediatorInnen besteht auch ein gesetzlich geregeltes Beweisaufnahmeverbot.

MediatorInnen sorgen für Transparenz  in ihrem Vorgehen und bedienen sich gängiger Visualisierungsmethoden.

c) PRAXIS  als  H a n d e l n:

Die Mediation als Lösungsmodell ist strukturell gewaltlos. Die Kommunikation in der Mediation ist charakterisiert durch einen lebendigen Diskurs zwischen den Konfliktparteien. Die MediatorInnen holen die Beteiligten dort ab, wo sie stehen. Die se einigen sich darauf, worum es ihnen geht und entwickeln Lösungen „von unten her“.

Mit sachbezogenen Fragen stellen die MediatorInnen sicher, dass die Medianden alle sachdienlichen Informationen haben, die sie brauchen, um tragfähige Entscheidungen in ihrem Konflikt zu treffen. Auf dem Weg dorthin, setzen die MediatorInnen Impulse und schaffen Strukturen, um das Gespräch zwischen den Konfliktpartnern in Gang zu bringen und in Gang zu halten, lassen die Medianden erörtern, Varianten ins Auge fassen, Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten entdecken und auch wieder verwerfen etc., solange, bis sie sich auf eine Lösung einigen können, die alle Beteiligten als fair empfinden.

Das Rollenkonzept der Mediation (nach Duss-vonWerdt)*

Die Rolle der Mediatoren (Vermittler)

  • Als Dritte
  • ohne Entscheidungsbefugnis
  • vermitteln sie
  • dass, wie und wann verhandelt wird.

Die Rolle der Medianden (Verhandler)

  • Als gleichberechtigte und eigenverantwortliche Partner im gemeinsamen Konflikt
  • verhandeln sie
  • dass vermittelt wird, was und wozu verhandelt wird.

*Duss-vonWerdt, Josef: homo mediator –Geschichte und Menschenbild der Mediation, Klett-Cotta, Stuttgart 2005.


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